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Bau Das Konzept der Nachhaltigkeit im Rampenlicht

Am 04/05/2017
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Neue Norm seit dem 1. Januar

 

Die europäische Richtlinie 2010/31, die fordert, dass Neubauten bis 31. Dezember 2020 einen Fast-Null-Energieverbrauch haben, verlangt von den Mitgliedsstaaten die Vorbereitung des Einsatzes der NZEB-Ziele. Luxemburg, als Pionier bezüglich der Richtlinien, verlangt seit dem 1. Januar 2017 nachhaltig gebaute Passivhäuser als Baustandard. Welches sind die Unterschiede zum Niedrigenergiehaus? Erläuterungen von Crea Haus Constructions S.A.

Bekannt ist das Niedrigenergiehaus. Nun ist das NZEB-Haus (Nearly Zero Energy Building) zum Standard geworden und muss nunmehr den Nachhaltigkeitskriterien gerecht werden. Diese flexiblere und für die künftigen Hauseigentümer und Bauherren vorteilhaftere Norm ist durch neue Entwicklungen gekennzeichnet.

Flexiblere Kriterien

2016 war die Ausrichtung beim Bau eines Hauses ein maßgeblicher Punkt. Es war ein Maximum an verglasten Flächen nach Süden erforderlich, eine Bodenheizung, eine rechteckige Architektur usw. Viele Kriterien, die zur Behinderung für alle Akteure wurden. „Ein Kunde konnte gar nicht auf einem Grundstück seiner Wahl bauen. Bei vielen Siedlungen waren durch den Bebauungsplan Flachdächer verboten und eine mangelhafte Ausrichtung des Grundstücks konnte die Realisierung eines Projekts verhindern“, erklärt Richard Thibo von Crea Haus Costructions (seit 26 Jahren in Luxemburg). Ausrichtung, Schatten und Windrichtung: Wenn man nicht das Glück hatte, dass das Grundstück gut ausgerichtet ist, konnte man nicht bauen. „Nun kann man auch bauen, wenn das Grundstück ungünstig ausgerichtet ist. Grundstückseigentümer werden begünstigt und dies kann auch beim aktuellen Problem des Grundstücksmangels Abhilfe schaffen.“
2017 verhalten sich die Dinge also anders. Auch hat die Sonneneinstrahlung einen geringeren Einfluss auf das Gesamtprojekt eines Bauvorhabens, wenn auch noch immer eine Südausrichtung bevorzugt wird. „Die Idee ist es, Häusern, die in Tälern oder in der Stadt gebaut werden, die gleichen Annehmbarkeitskriterien einzuräumen, wie Häusern, die auf dem Land gebaut werden. In Neudorf zum Beispiel waren bestimmte Grundstücke nicht mehr bebaubar, da es unmöglich war, die Normen einzuhalten“, erklärt Serge Faber, Geschäftsführer von Convex und Vizepräsident des Verbandes der Energieberater und -Zertifizierer. Auch eine Wärmepumpe ist keine Pflicht mehr. „Es ist jetzt auch eine Beheizung mit Gas möglich, wenn Radiatoren mit Sonnenkollektoren kombiniert werden, um warmes Sanitärwasser zu erzeugen sowie für eine mechanische Doppelstromlüftung.“

Mit Vorteilen für sämtliche Gewerke

Die neuen Häuser lassen sich auch leichter planen. Bauherrn gibt die neue Norm Hoffnung. „Die neuen Entwicklungen freuen uns, da es sehr schwierig und teuer geworden war, Projekte umzusetzen. Man hat festgestellt, dass die in 2008 eingerichteten Regelungen etwas zu weit gingen und dass der Nutzen nicht so groß war, wie man sich erhofft hatte. Es dauerte im Allgemeinen viele Jahre, bis sich die Investitionen auszahlten“, erklärt Richard Thibo. Die Korrekturen durch die neue Norm kommen der Realität näher. Und alle Baubranchen sind damit zufrieden. „Für Architekten und Ingenieure war das Ganze ein echtes Kopfzerbrechen geworden!“ Auch unter dem architektonischen Gesichtspunkt stellen sich die Dinge jetzt anders dar. Auch wenn Würfelhäuser in Massen gebaut wurden, „ohne dass sie unbedingt jedem gefielen“, trat die luxemburgische Kammer der Architekten und beratenden Ingenieure „OAI“ für eine größere architektonische Flexibilität im Hausbau ein. Auch das Satteldach kommt zurück. Das NZEB-Baukonzept erlaubt es dem künftigen Käufer, seiner Phantasie mehr Freiheit zu lassen und sein Traumhaus zu bauen.

Preisgünstigere Häuser

Die Norm löst nicht nur die meisten Probleme, sondern erlaubt auch kostengünstigeres Bauen. „Bei neuen Projekten konnten wir unsere Preise um 5 bis 6 % gegenüber den Preisen von 2016 und 2017 reduzieren, da die Gesamtheit kohärenter hinsichtlich Ausrichtung und Dämmung ist“, erklärt David Pinto, Direktor der Hausabteilung bei Crea Haus. Überdies hat das Gesetz vom 23. Dezember 2016 über die Einführung einer Zertifizierung der Nachhaltigkeit des Wohnungsbaus, durch das das Gesetz vom 25. Februar, in der geänderten Fassung, geändert wird, zum Ziel, die Nachhaltigkeit im Wohnungsbau in Luxemburg durch den Einsatz des „LENOZ“-Zertifikats („Lëtzebuerger Nohaltegkeets-Zertifikat fir Wunngebaier“) zu fördern. Da seit dem 1. Januar nach der NZEB-Norm gebaut werden muss, existieren die Hilfen, die vorher mit der Energieeffizienz von Gebäuden verbunden waren, nicht mehr wirklich.“ Und auch wenn diese Zertifizierung fakultativ bleibt, ist eine finanzielle Hilfe für die Einholung dieses Nachhaltigkeitszertifikats vorgesehen. Die PRIMe House (MDDI)-Hilfen für den Bau neuer Häuser basieren außerdem auf ca. vierzig Kriterien des LENOZ-Zertifizierungssystems. „Die Bauherren müssen ihre Projekte gemäß den Grundsätzen der nachhaltigen Entwicklung planen. Dies impliziert zum Beispiel die Verwendung von Recycling-Materialien und die Arbeit mit Unternehmen, die bestimmte Labels besitzen und für kontinuierliche Weiterbildung sorgen.“ Trotz der höheren Anschaffungspreise solcher Materialien entstehen durch die Möglichkeit eines flexibleren Bauens an einem gewünschten Ort geringere Gesamtkosten als beim Bauen im Jahr 2016. Dies kann künftige Bauherren motivieren!

 

 

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