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Düdelingen, Stadt im Süden : Mehr als eintausend Wohnungen werden entstehen

Am 15/02/2017
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Düdelingen, Stadt im Süden Ee mol, Ëmmer Diddeleng Mehr als eintausend Wohnungen werden entstehen
 

Auch Düdelingen, ehemals als "Schmiede des Südens" bezeichnet, hat, wie Esch-sur-Alzette, die bewegte Geschichte einer Industriestadt hinter sich. Doch die Gemeinde hat im richtigen Moment für ihre Weiterentwicklung gesorgt, indem unverzichtbare regionale und nationale Industriegebiete geschaffen wurden. Über Wohnungsbauförderung und Aufwertung von Industriebrachen will Düdelingen nun seinen historischen Platz in Luxemburg bewahren. Wir sprachen mit Dan Biancalana, seit 2014 Bürgermeister von Düdelingen.
 

Düdelingen ist durch die Stahlindustrie groß geworden, bevor es mit der Diversifizierung seiner Wirtschaft begonnen hat. Herr Biancalana, beschreiben Sie uns doch bitte die Entwicklung Ihrer Stadt!

Die Gemeinde begann ab dem 19. Jahrhundert mit dem Abbau von Eisenerz und entwickelte sich dann durch die Ansiedlung eines Stahlwerks weiter. 1907 erhielt sie das Stadtrecht, da sie bereits 10.000 Einwohner zählte. Doch 1970 zeigte sich langsam die Krise im Stahlsektor. Es folgten die ersten Überlegungen über eine Neuorientierung. Durch die Stilllegung des Walzwerks Düdelingen in 2005 blieb dann keine andere Wahl mehr. Düdelingen musste ein neues Gesicht erhalten. Dank des zielgerichteten Einsatzes der Stadtoberhäupter von Düdelingen konnten in Zusammenarbeit mit den nationalen Behörden neue, aktive Industrien in verschiedenen Sektoren am Stadtrand angesiedelt werden. Heute rangiert die Stadt auf Platz 4 der Industriestädte Luxemburgs. Die Entscheidung der kommunalen Behörden, in städtische Infrastrukturen zu investieren, führte zum Entstehen einer einzigartigen Lebensqualität. Nun kann Düdelingen eine Vielzahl von Trümpfen vorweisen. 20.455 Einwohner im Jahre 2016 bei einem Ausländeranteil der lokalen Bevölkerung von 40 %, in der 105 verschiedene Nationalitäten vertreten sind, sowie ein jährliches Wachstum von 10 % seit 10 Jahren belegen die nachhaltige Entwicklung Düdelingens.
 

Düdelingen gilt auch als Stadt der Kultur und des Sports.

Die kulturellen Anstrengungen der Stadt Düdelingen in den vergangenen zwanzig Jahren waren außergewöhnlich. Unter den Kultureinrichtungen ist insbesondere das regionale Kulturzentrum Opderschmelz mit seinem außergewöhnlichen Programm zu nennen: Jazz, Weltmusik, Rock, Blues, Live Cinema, zeitgenössisches Theater, Tanzaufführungen… Sowie Veranstaltungen aller Art wie Touch of Noir, the Singer Songwriter, Like a Jazz Machine und das "Percussion-Festival". Hinzu kommen das Centre d’art Dominique Lang mit Ausstellungen zeitgenössischer Kunst und das Centre d’art Nei Liicht für audiovisuelle Kunst und moderne Fotografie, das Centre de Documentation sur les Migrations Humaines, das Musée des Enrôlés de Force und das erst kürzlich eingeweihte Gemeindemuseum. Auch verschiedene "Indoor"- und "Outdoor"-Infrastrukturen wurden im Laufe der Jahre geschaffen. Das neue Sportzentrum René Hartmann ist darunter das Prunkstück. Dessen multifunktionaler Mehrzweckcharakter beruht auf einer breiten Palette sportlicher Indoor-Aktivitäten, die den aktuellen Trends gerecht werden, wie Kletterwände, ein Schwimmbecken im Freien und in der Halle usw. Unsere verschiedenen öffentlichen Anlagen (Sporthallen, Fußballplätze, Mehrzweck-Sportanlagen und Schwimmbäder) werden regelmäßig modernisiert. Auch hier ist das Angebot an alle Generationen gerichtet: vom Skatepark für die Jungen bis zu den Fitnessanlagen für Ältere. Schließlich verfügt die Stadt über fast 220 Clubs und Verbände. Die Sportvereine von Düdelingen zählen zu den erfolgreichsten Luxemburgs und Düdelingen wird üblicherweise als Hauptstadt des Mannschaftssports von Luxemburg bezeichnet. 

 

Welches sind die Haupttrümpfe Ihrer Gemeinde?

Unsere Stadt hat einerseits urbanen Charakter, liegt aber auch mitten in der Natur. Düdelingen ist umgeben von Wäldern und zahlreiche Grünzonen sind überall in der Stadt zu finden. Das als Schutzgebiet eingestufte Naturreservat Haard mit einer Flächengröße von 198 ha gehört zu einem 600 ha großen Naturschutzgebiet, dem größten des Landes. Der Emile Mayrisch-Park schließt direkt an den Stadtkern an. Im Le'h-Park ist der Adventure Parc zu finden, einer der größten Abenteuerparcours des Landes, sowie ein Spielparcours für Kinder mit zwölf pädagogischen Stationen. Unsere Infrastrukturen sind äußerst modern und es herrscht eine hohe Lebensqualität sowohl im Stadtzentrum als auch in den einzelnen Stadtvierteln vor.
Dank der Vielfalt der Geschäfte und Gastronomiebetriebe kann in Düdelingen jeder leben, ohne die Stadt verlassen zu müssen. 720 gewerbliche Aktivitäten wurden ins Leben gerufen. Es gibt 200 verschiedene Geschäfte hier.
Was die Schulen angeht, verfügen wir über eine allgemeine und eine fachbezogene höhere Schule sowie 13 Grundschulen. 3500 Kinder werden täglich in unseren Schulen unterrichtet. Düdelingen beherbergt ferner mehrere staatliche Institutionen: das CNA (Centre national de l’Audiovisuel), eine Vertretung der staatlichen Arbeitsverwaltung ADEM und das nationale Gesundheitslabor "Laboratoire National de Santé" (umgesiedelt von Luxemburg-Stadt). Weitere Forschungseinrichtungen werden 2017 folgen, wie die BBL (Integrated Biobank of Luxembourg) und die staatliche Veterinärinspektion.
Unsere Stadt hat eine große Dynamik und ist reich an Potentialen: eine Gemeinde, in der es sich gut leben lässt.

Mehr als anderswo hat man hier das Gefühl, dass sich die Bürger von Düdelingen sehr stark mit ihrer Stadt identifizieren. Wie erklären Sie sich das?

Die verschiedenen Viertel spiegeln die Geschichte unserer Stadt wieder. Das Quartier Boudersberg am Fuß des Mont Saint-Jean ist immer noch geprägt von seiner ländlichen Vergangenheit, während das Quartier Brill im Wesentlichen aus Häusern besteht, die in der industriellen Ära der Stadt erbaut wurden. Die Viertel Italie und Schmelz in der Nähe des alten Stahlstandortes sind geprägt von der Einwanderung und bewahren ihre einzigartige Atmosphäre, während am Stadtrand neue Wohngebiete wie das Quartier Ribeschpont die sozioökonomische Umwandlung der Stadt begleiten.

Düdelingen ist ja auch ein Jungbrunnen für den Arbeitsmarkt. Die laufenden Projekte werden sicher eine neue Dynamik bringen.

Das Logistikzentrum (ehemaliges WSA-Gelände) und das multimodale Zentrum (intermodales Terminal, Autobahn-/Eisenbahnplattform und künftiges abgesichertes Schwerverkehrszentrum) am Standort des "Eurohub Sud" auf dem Gebiet der Gemeinden Düdelingen und Bettemburg sind zwei große nationale Projekte, durch die Hunderte von Arbeitsplätzen entstehen werden. Es gibt ferner mehrere nationale und internationale Industriegebiete um Düdelingen, die die wirtschaftliche Entwicklung der Stadt ermöglichten. Renommierte Unternehmen wie Husky, Ampacet und Guardian sind wichtig für die Stabilität der Gemeinde. Schließlich werden diese neuen Projekte das aktuelle Angebot erweitern. Dies ist nur eine logische Folge.
Wir denken auch an die Ansiedlung von Gewerbegebieten, da sie in der Gemeinde signifikant fehlen.

In den letzten 10 Jahren verzeichnete Düdelingen ein moderates Wachstum von 1 % pro Jahr. Wie werden die nächsten Jahre aussehen?

Dieses kontrollierte Wachstum war gewollt, damit wir die Zeit haben, unsere Infrastrukturen entsprechend unserer Weiterentwicklung zu verbessern. In Zukunft wird Düdelingen sich harmonisch zu einer Stadt entwickeln, die sich in voller wirtschaftlicher und ökonomischer Expansion befindet. Der "Shared Space" wird dem Stadtzentrum ein neues Gesicht verleihen. In diesem Bereich werden verschiedene Verkehrsträger miteinander kombiniert, indem weiche Mobilität, Sicherheit und Respekt voreinander gefördert werden. Das Stadtzentrum wird die angenehmsten Lebensbedingungen bieten und gleichzeitig offen und gastfreundlich sein. Aus dem wenig genutzten Zentrumsbereich "Am Duerf" wird eine Insel mit gemischter Nutzung (Wohnungen, Gewerbeflächen, Geschäftsräume, Fußgängerzonen und Parkplätze). Das Projekt wird mit über 4400 m2 Gewerbeflächen und der Tiefgarage zur Dynamisierung des Geschäftslebens führen. Es werden ferner fast 100 Wohnungen entstehen. Oder das Viertel Lenkeschléi, nicht weit vom Zentrum: 240 Wohnungen, verteilt auf Mehrfamilien- und Einfamilienhäuser, eine Schule, eine Maison relais (außerschulische Betreuung) und ein Fitnesscenter, die in einem Passivenergiekonzept entwickelt wurden. Auf der alten Industriebrache wird ein Ökoquartier entstehen: das Projekt Neischmelz. Die Projekte "Lenkeschléi", "Am Duerf" und "Neischmelz", die sich in der Realisierungs- bzw. Planungsphase befinden, illustrieren die Orientierung von Düdelingen an einer Förderung nachhaltig strukturierter urbaner Stadtviertel.
Auf dem Wege eines Architektenwettbewerbs zur Aufwertung von "Baulücken" ist die Stadt Düdelingen, in Zusammenarbeit mit dem Fonds für Wohnungswesen dabei, im Gemeindgebiet, d.h. im Stadtquartier Burange, ein Angebot von erschwinglichen Wohnungen zu entwickeln.
Gerade wurden von uns aber zwei Wohnhäuser der SNHBM (Société Nationale des Habitations à Bon Marché S.A.) eröffnet. Die beiden Häuser sind in der Rue des Champs in Düdelingen gelegen und verfügen über insgesamt 16 Wohnungen.

Wie Sie bereits erwähnten, betrifft ein weiteres großes Projekt die ehemaligen Industriebrachen…

Die Aufwertung der Industriebrachen stellt eine größere Herausforderung dar. Das Projekt Neischmelz, das vom Fond für Wohnungswesen geleitet wird, dürfte den Bau von 1000 Wohneinheiten ermöglichen, die in den kommenden 10-15 Jahren entwickelt werden. Im laufenden Jahr möchten wir die Verfahren von Allgemeinem Bebauungsplan und Teilbebauungsplan einleiten. Die ersten Erschließungsarbeiten werden im zweiten Halbjahr 2018 beginnen.
 
Emilie Di Vincenzo
 
 
 
 
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