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Wohnungspreise in Luxemburg

Am 04/01/2017
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Gleichbleibendes Angebot bei steigenden Preisen
 
Es bleibt spannend auf dem luxemburgischen Immobilienmarkt. In Luxemburg, wo (fast) nichts von einer Krise zu spüren ist, steigen die Preise und das Angebot wird ausgebaut. Zumal mit einem Wachstum von bis zu 60 % bei Büroräumen und 50 % bei Wohnungen bis 2020 gerechnet wird. Eine Inspiration für Investoren!
 
 
Die Einen raufen sich die Haare bei der Aussicht auf den Anstieg der Immobilienpreise. Die Anderen reiben sich die Hände. In Luxemburg ist Wohnraum knapp und teuer. Aus den Erhebungen des nationalen Instituts für Statistik und wirtschaftliche Studien Luxemburgs (Statec) und des „Observatoire de l’habitat“ ergibt sich im zweiten Quartal 2016 eine Steigerung des Wohnungspreisindexes von 5,6 % bzw. 7,7 % gegenüber dem Vorjahr. Der durchschnittliche Quadratmeterpreis bei bereits existierenden Wohnungen beläuft sich auf 4.613 €/m2 und bei im Bau befindlichen Wohnungen auf 5.764 €/m2. Der Durchschnittspreis eines Einfamilienhauses erreicht leicht 594.379 € und das ist nur der Durchschnitt. Kurz gesagt, eine Wohnung oder ein Haus kaufen oder mieten zu können, wird immer schwieriger, insbesondere für Menschen mit eher bescheidenem Einkommen. Nach Auskunft des Statec kommt derzeit ein alleinstehender Luxemburger noch mit einem Einkommen von 2.000 € aus und ein Paar mit zwei Kindern kann mit 4.000 € monatlich noch „ein anständiges Leben“ führen. Sie müssten aber mindestens die Hälfte ihres Budgets für die Wohnung ausgeben. Laut einiger Fachleute muss man sogar durchschnittlich 1.359 € ausgeben, um eine Wohnung mieten zu können, unabhängig von der Flächengröße.
 
Der Preis des Ruhms
Luxemburg, als solider und anerkannter Finanzplatz, kann einen wirtschaftlichen Erfolg aufweisen, der seine europäischen Nachbarn vor Neid erblassen lässt. Das BIP hat sich in den vergangenen zwanzig Jahren mehr als verdreifacht, während das BIP Europas nur um das Zweifache zugenommen hat. Die aktive Bevölkerung hat sich im gleichen Zeitraum verdoppelt. Dies alles auf dem Boden einer konstanten wirtschaftlichen Stabilität. Laut der Europäischen Kommission „besitzt Luxemburg einen gesunden Finanzsektor, bei dem die Gefahren als begrenzt eingestuft werden können“. Die Indikatoren bleiben also im grünen Bereich, aber die Preise schießen in die Höhe: „Die Preise auf dem Wohnungsmarkt haben sich in realen Zahlen im Zeitraum 2000 - 2014 fast verdoppelt“, führt das Statec ferner an. Im ganzen Land sind die Wohnungspreise seit 2004 um mehr als 35 % gestiegen! Zwischen 2013 und 2014 sind die Durchschnittspreise für Häuser und Wohnungen um 7 % bzw. 2,9 % angestiegen. Und die Nachfrage scheint auch nicht zurückzugehen. Jährlich kommen zwischen 8.000 und 13.000 neue Einwohner hinzu, während nur 2.500 bis 3.500 neue Wohneinheiten auf den Markt kommen.
 
Preisanstieg an allen Fronten
Vor allem kleinerer Wohnraum ist gesucht. Preissteigerung: 3 % in den vergangenen sechs Monaten. Die gleiche Tendenz gilt für Häuser mit mindestens vier Schlafzimmern. Die Durchschnittsmiete für einen Altbau, alle Flächengrößen zusammengenommen, beläuft sich auf 2.460 €.
Größere Wohnflächen werden eher verkauft. Bei den Altbauten steigen die Preise um 4,35 % über ein Jahr bei Wohnungen und um 3 % bei Häusern: Es müssen durchschnittlich 410.925 € für eine Wohnung und 694.636 € für ein Haus ausgegeben werden (alle Flächengrößen zusammengenommen). Bei den Neubauten sieht es ebenfalls gut aus, mit einer Preissteigerung um 3 % in einem Jahr. Man muss von einem nötigen Budget von durchschnittlich 495.825 € bei einer neuen Wohnung ausgehen, unabhängig von der Flächengröße. Eine Anlage in „Betongold“ bleibt also ein ausgezeichnetes Geschäft. Doch die Zahlen variieren je nach Region.
 
Auf der Suche nach Wohnraum
Das Land lässt sich nicht vergrößern und Wohnraum wird daher stellenweise auch fehlen. Je näher man Luxemburg-Stadt kommt, desto komplizierter wird es. Das Großherzogtum Luxemburg mit einer Fläche von 2.586 km2 muss auf dieser Fläche, koste es, was es wolle, seine 576.249 Einwohner unterbringen. Laut dem „Observatoire de l’habitat“ ist noch ein beachtliches Grundstückspotential vorhanden: 10 % der Gesamtfläche des Landes entsprechen urbanisierten Zonen oder Zonen, die für die Urbanisierung bestimmt sind. Zwischen Norden und Süden bleiben die Preisunterschiede bestehen. Ganz im Norden beläuft sich der Durchschnittspreis für ein Haus auf 525.528 € und auf 331.892 für eine Wohnung. Im mittleren Süden werden 984.493 € für ein Haus und 615.694 € für eine Wohnung erzielt. In der Nähe des Arbeitsortes zu wohnen, wird also zum Luxus. Daher haben sich manche entschlossen, nach Frankreich oder Belgien umzuziehen: „Eine steigende Zahl an Luxemburgern mit bescheidenem Einkommen wird sich gezwungen sehen, an die Landesgrenzen oder sogar in Nachbarländer zu ziehen“, sehen Fachleute des Immobilienmarktes voraus. Über 11. 000 Luxemburger sollen bereits das Land verlassen haben. Diejenigen, die bleiben können, sind in der Mehrzahl Wohnungs- oder Hauseigentümer: 85 % der Luxemburger. Fast 50 % der ausländischen Staatsbürger haben sich für die Miete entschieden. In den Wartelisten des „Fonds du logement (FdL)“ werden über 2.000 Antragsteller für eine Sozialwohnung geführt. Es fehlt jedoch nicht an Immobilienprojekten: Eintausend Wohnungen dürften in Dudelange, Esch-sur-Alzette, Belvaux und in Wiltz entstehen. Auf dem Kirchberg-Plateau dürften auch fast eintausend neue Sozialwohnungen gebaut werden. Das wird die Attraktivität Luxemburgs erhöhen.

Emilie Di Vincenzo
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